Job-Crafting

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This article was written on 29 Apr 2013, and is filled under JobCrafting Basics, Rahmenbedingungen.

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An der eigenen Arbeit schrauben – wo & wann?

P1070033_webDieser Blogbeitrag beschäftigt sich mit der Veränderung des Kontexts. Den Kontext zu verändern kann bedeuten, sich an einen anderen Ort zu begeben oder das Büro anders zu gestalten, Arbeit an den eigenen Bio-Rhythmus anzupassen, den Schreibtisch anders zu stellen… all das, was mit einer räumlichen oder zeitlichen Veränderung einhergeht.

Neugeborene Babys gilt es nach der Geburt beim Standesamt zu melden. Das bedeutet, dass meist der Vater in den ersten Tagen mit entsprechenden Papieren zu entsprechenden Zeiten die entsprechende Örtlichkeit aufzusuchen hat. In einer Stadt in den Niederlanden hat man beschlossen, dies anders zu gestalten. Es wurde ein Standesamt-Büro im Krankenhaus selbst eröffnet – so sind die Beamten viel näher an dem freudigen Teil ihrer Arbeit, neues Leben zu begrüßen. Und die frischgebackenen Eltern sind dankbar, dass ihnen aufwändige Wege abgenommen werden. (Beispiel aus „Mooi werk“ von Van Vuuren & Dorenbosch 2011) – ein schönes Beispiel für die Veränderung des Arbeitskontextes.

Auch wir verändern immer wieder den Kontext, in dem wir arbeiten. So hat zum Beispiel meine niederländische Kollegin Mara ihren Arbeitsplatz diesen Sommer für 1,5 Monate nach Berlin verlegt. Ich habe sie dazu interviewt.

Mara, Du hast im Sommer für ein paar Wochen von Berlin aus gearbeitet. Warum?
Wenn ich an einem anderen Ort arbeite, erweitert dies meinen Blick. Im Ausland oder in anderen Städten schaue ich mit einem anderen Blick. Ich nehme eine andere Perspektive ein. Ich sehe andere Menschen, andere Gebäude, anderes Leben auf der Straße. Durch die Veränderung der physischen Umgebung entsteht bei mir selbst Veränderungsenergie. Und diese ist ganz essentiell für meine Arbeit.

Veränderungsenergie, spannend. Woher kommt die?

Ich begebe mich durch die Veränderung der Außenwelt selbst in einen Reflexions-Modus. Wenn ich mit dem Rad durch Berlin fahre und die Atmosphäre wahrnehme, denke ich auch anders über mich selbst nach. Was ist mir wichtig in meiner Arbeit? Was will ich? Durch die Distanz entsteht ein anderer Blick auf mich selbst.

Was ist noch anders?

Hier in Berlin sitze ich mit meinem Laptop im Café zum Arbeiten. Klar, das könnte ich in Amsterdam auch machen. In definiertem Alltag macht man das weniger. Und, der Unterschied ist, ich höre andere Sprachen, die Menschen sehen anders aus. So fühle auch ich mich als Teil einer anderen Welt.

Was entsteht dadurch bei dir?

Lust zu schreiben. Und ich bin sehr offen für neue Kontakte und neue Begegnungen. Es ergeben sich ganz andere zufällige Gespräche. Hier ist alles interessant. Ich bin raus aus meiner Routine. Und gleichzeitig ist die Arbeit nicht anders, als das, was ich in den Niederlanden mache. Darum geht es auch nicht. Es ist eher ein Lebensgefühl. Ich bin auch effektiver. Das Wetter ist schön, ich bin an einem Ort, an dem es viel zu entdecken gibt. Das führt dazu, dass ich meine Aufgaben schneller erledige.

Und wie bist du auf die Idee gekommen?

Ich bin ein Mensch, der gerne reist. Ich hatte Lust, mal wieder für eine Weile in einer anderen Welt zu sein und das mit der Arbeit zu verknüpfen. Einen Teil unserer Arbeit können wir kontextunabhängig machen – wie zum Beispiel Schreibprojekte.

Spannend. Nun hat nicht jeder die Möglichkeit, für mehrere Wochen in einer anderen Stadt zu arbeiten – geht Kontext verändern auch etwas einfacher?

Natürlich. Kontextveränderungen funktionieren besonders gut bei Aufgaben, die einem nicht so leicht fallen oder die man nicht so gerne macht. Ich mache zum Beispiel überhaupt nicht gerne meine Buchhaltung. So habe ich mir angewöhnt, dafür in ein schönes Café zu gehen, mir einen guten Kaffee zu bestellen und dort in einer schönen Atmosphäre diese lästige Aufgabe zu erledigen. So fällt es mir wesentlich leichter.

Was würdest du anderen raten, die den Kontext verändern wollen?

Der Trick ist, eine Aufgabe zu haben und zu schauen, wie man den Kontext rund um diese Aufgabe für sich selbst noch gewinnbringender gestalten kann. Welche Aufgaben kann man in einem anderen Kontext zu machen? Was für ein Kontext ist für mich persönlich attraktiv? Das muss nicht gleich ein (temporärer) Umzug in eine andere Stadt sein, sondern das geht auch viel kleiner.

Während ich diesen Interview-Text überarbeite, sitze ich selbst im Zug. Irgendwo zwischen Binz auf Rügen und Hamburg. Ich bin heute Morgen um halb acht in Hamburg in den Zug gestiegen, habe vier Stunden effektiv gearbeitet, meine Mittagspause mit einem Fischbrötchen am Ostseestrand verbracht und befinde mich nun in meinem zweiten Arbeitshalbtag auf dem Rückweg nach Hamburg.

Unsere Tätigkeit ist oft mit Reisen verbunden. Dabei habe ich gemerkt, dass ich mich im Zug wunderbar konzentrieren kann. So vermeide ich Reisen mit dem Flugzeug und verbringe gerne mal einen halben Tag im Zug. Und hin und wieder suche ich dies bewusst. So wie heute. Selten habe ich bereits um 10.00 Uhr so viel geschafft wie an meinen „Zug-Tagen“.

Dieser Beitrag ist Teil 2 einer fünfteiligen Blogreihe, die von Frauke Peter und Mara Spruyt verfasst wurde. Diese ist auch auf  dem Kessels & Smit-Blog erschienen.

 

 

Frauke Schmid-Peter

Frauke Schmid-Peter, Organisationsberaterin und Coach, schreibt hier in unregelmäßigen Abständen darüber, welchen Blick man auf Arbeit auch einnehmen kann und wie man diese zum Positiven verändern kann.

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