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This article was written on 03 Jul 2013, and is filled under Talent.

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Talent?

Eine kurze Twitter-Diskussion mit Niels Pfläging vor einiger Zeit hat mich inspiriert, ein paar Zeilen dazu zu schreiben, was ich unter Talent verstehe.  Die Diskussion begann mit folgendem Tweet:


Ich lese aus dieser Aussage vor allem heraus, dass man sich nur genug anstrengen muss, um in jedweder Disziplin herausragende Leistungen zu erbringen. Die kurze Diskussion mit Niels Pfläging hat gezeigt, dass wir inhaltlich vielleicht gar nicht so weit auseinander liegen. Auf jeden Fall hat mich die Diskussion zum Schreiben dieses Artikels inspiriert.

Als Coach und Beraterin verstehe ich meine Arbeit mit Talent anders. Natürlich, vielleicht hätte ich mich mit viel Schweiß und Tränen durch ein Medizin-Studium quälen können. Aber, weder Chemie, noch Biologie haben je zu meinen Lieblingsfächern gehört. Ich hätte jahrelang enorme Disziplin und Willenskraft aufbringen müssen, wäre kreuzunglücklich gewesen und hätte an meinem Studium Talentwesentlich weniger Spaß gehabt.

Ich betrachte Talent lieber von der anderen Seite der Medaille:

Für mich entpuppt sich Talent in folgenden Momenten: Mir geht etwas leicht von der Hand und ich habe viel Spaß daran, es zu tun. Ich gehe in diesem Moment in der Tätigkeit vollkommen auf, vergesse dabei Raum und Zeit um mich herum. Wenn ich aufhöre, merke ich, dass ich körperlich erschöpft bin, aber geistig „frisch“ – es fühlt sich an wie energetisiert, wie aufgeladen. Mir geht es zum Beispiel beim Fotografieren so, da vergesse ich jegliche Zeit. Oder auch in inspirierenden Treffen, in denen ich mit Kollegen Inhalte entwickle. Vielleicht haben Sie sich beim Lesen gedacht, hm, das klingt wie Flow. Genau so ist es. So fühlt sich ein Talent in Aktion an. Ich habe diesen Blick auf Talent von meinem Kollegen Luk Dewulf gelernt. (Interesse? Ausführlicheres dazu findet sich in seinem Buch „Go for your talent“).

Spannend wird für mich der Blick auf Talente und persönliche Fähigkeiten, wenn man das Gespräch auf eine andere Ebene hebt. Wenn man den Blick auf die Konzepte hinter den oft recht gut beschriebenen Fähigkeiten legt. Wenn es nicht mehr nur darum geht, dass jemand gut präsentieren kann. Sondern darum, dass sein Talent darin liegt, Inhalte für andere verständlich aufzubereiten und sich in sein Gegenüber hineinzuversetzen. Oder darin, Informationen zu sammeln, zu bündeln und nachher das Wesentliche daraus zu extrahieren und aufzubereiten.

Ich arbeite in diesem Zusammenhang gerne mit der Aufstellung aus dem Clifton Strengths-Finder, einem Hilfsinstrument zur Identifikation von Talenten. Der Strengths Finder definiert 34 verschiedenen Talenten, die von Anpassungsfähigkeit über Fokus oder Höchstleistung zu Verantwortungsgefühl oder Vorstellungskraft reichen. Luk geht davon aus, dass jeder von uns die Veranlagung für die Hälfte dieser 34 Talente in sich trägt. Den meisten aber ist nur ein kleiner Ausschnitt davon bewusst. Genau hier wird’s spannend! Was sind meine persönlichen Top 5 und wie kann ich diese nutzen? Welche weiteren Talente trage ich darüber hinaus in mir?

Interessant für die Gestaltung meines Lebens – sowohl beruflich als auch privat -, finde ich folgende Fragen: Welche Talente sehe ich bei mir? Welche Talente sehen andere bei mir? Und was will ich daraus machen? Damit geht es nicht darum, mich auf meinen einmal erkannten Talenten auszuruhen und nicht mehr lernen zu wollen. Sondern aktiv das zu nutzen, was mich persönlich weiterbringt. Dabei kann ich als Erkenntnisquelle auch den Blick in die Vergangenheit nutzen und mir vergegenwärtigen, was ich als Kind besonders gerne getan habe.

Ich glaube nicht mehr daran, dass das größte Potenzial für Wachstum in unseren Schwachstellen liegt. Der Quantensprung vollzieht sich im Denken. Dann, wenn man den Umgang mit nicht ignorierbaren Schwachstellen sucht und gleichzeitig den Fokus auf die Frage legt: Wie kann ich noch mehr von dem tun, in dem ich richtig gut bin und woran ich Spaß habe?

 

 

Frauke Schmid-Peter

Frauke Schmid-Peter, Organisationsberaterin und Coach, schreibt hier in unregelmäßigen Abständen darüber, welchen Blick man auf Arbeit auch einnehmen kann und wie man diese zum Positiven verändern kann.

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