Job-Crafting

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This article was written on 07 Mai 2013, and is filled under Arbeitsbeziehungen, JobCrafting Basics.

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An der eigenen Arbeit schrauben – wer? Mit wem?

Im ersten Artikel haben wir beschrieben, worum es im JobCrafting geht und was die vier Stellschrauben sind. Letzte Woche haben wir geschildert, wie wir Kontextveränderungen einsetzen, um unsere Arbeit besser zu gestalten. Heute geht es um Beziehungen im Arbeitsleben und wie man diese anpassen kann, um sie an die eigenen Stärken und Talenten anzupassen.

So kann zum Beispiel ein Vertriebsleiter entscheiden, mehr Zeit, mehr Fokus, mehr Energie auf die Kunden zu legen, die er gerne P1070561_01_webbesucht und die aus ihm das Beste herausholen. Ein Pfleger sucht bewusst die Zusammenarbeit mit einem anderen Kollegen in seinem Team. Ein Professor entscheidet sich, wieder selbst an Besprechungen teilzunehmen und nicht nur schriftlichen Input zu geben. Weil er wieder mehr mit Menschen zu tun haben will.

Hierbei geht es immer auch um die gegenseitige Passung. Darum, die Stärken und Talente der Beteiligten zu nutzen und so gewinnbringende Kombinationen von Menschen zu kreieren. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Beziehungen aktiv anzupassen. Man kann Beziehungen ‚beenden’.  Das ist nicht immer so einfach. Man kann auch neue Beziehungen suchen, zum Beispiel durch Zusammenarbeit) (Van Vuuren & Dorenbosch, 2011). Im Folgenden teilen wir unsere eigenen Erfahrungen mit dem ‚craften’ von Beziehungen.

Diversität und Ergänzendes an Beziehungen hinzufügen

Es entsteht ein Projekt. Wir überlegen als erstes: Mit wem will ich dieses Projekt machen? Welche Talente und Stärken braucht das Projekt? Mit wem arbeite ich gerne zusammen? So kann ich zum Beispiel entscheiden, dass es mir als Analytikerin hilft, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die Ideengeber sind und Aktivität vorantreiben.

Es geht nicht immer nur darum, Menschen zu finden, die andere Stärken oder Talente haben. Wenn du mit deinen Talenten und deine Stärken etwas erreichen willst, gilt es auch zu überlegen: Wen muss ich einbeziehen? Wer ist für dieses Thema wichtig, wer trifft die Entscheidung? Wer kann mich darin unterstützen? Bei „Hinzufügen“ geht es nicht darum, die ganze Arbeit zusammen machen, sondern die Beteiligten nehmen unterschiedliche Rollen ein und ergänzen sich so – es wird also „mehr Anderes“ hinzugefügt.

Die Beziehung verändern

Eine andere Variante ist, sich Menschen zu suchen, die auch Spaß und Interesse am Thema haben. Mit diesen Menschen gemeinsam etwas voranzubringen, gemeinsam zu denken. Bei diesem Vorgehen steht nicht so sehr im Vordergrund, andere Talente und Fähigkeiten hinzuzufügen, sondern Energie darüber entstehen zu lassen, dass man etwas gemeinsam tut. Ich genieße gemeinsames Denken. Weil am Ende etwas Anderes dabei herauskommt, als wenn ich mich alleine an diese Aufgabe setze. Weil über die Zusammenarbeit andere Inhalte entstehen.

Beziehungen beenden oder nicht eingehen

Man kann das Pferd auch von hinten aufzäumen. Manchmal hilft es auch, den Blick darauf zu werfen, mit wem man nicht gerne zusammenarbeitet. Sich von manchen Arbeitsbeziehungen zu trennen, setzt Energie frei. Die Zielrichtung ist hier, den Fokus auf die Beziehungen legen, die eine gute Passung zu den eigenen Talenten, Ambitionen und Visionen darstellen. Zum Beispiel ruft mich eine Kundin an, die einen Coach sucht. Dieses erste Gespräch ist ein „okay-Gespräch“, ohne dass ein richtiger „Klick“ zwischen Coach und Kundin entsteht. So schlage ich vor, noch eine andere Kollegin kennenzulernen, anstatt mit mir zu arbeiten.

Schwieriges klären

Vielen Arbeitsbeziehungen kann man nicht einfach beenden oder ignorieren. Kollegen lassen sich verständlicherweise nicht kündigen. Aber es gibt immer den Freiraum zu entscheiden, wie viel Energie ich auf diese Person und auf diese Beziehung verwenden will. Oder zu entscheiden, sie zu gestalten, sie produktiv zu machen, eine Ebene zu finden.

So kann ich einen Kunden haben, mit dem die Zusammenarbeit schwierig ist, wo zum Beispiel Absprachen nicht leicht zu treffen sind. Gleichzeitig kann und will ich mitten in einem Projekt die Zusammenarbeit nicht beenden. Also suche ich nach Wegen, wie ich diese Beziehung anders gestalten kann. Das erfordert manchmal die Entwicklung von unterstützenden Kompetenzen, die man noch nicht hat – z.B. wie ich in einem Gespräch meine Interessen klarer vertreten kann. Oder wie ich Konflikte löse. Hierbei ist es wichtig, deine eigenen Stärken und Talente weiterhin im Fokus halten. Und unterstützende Kompetenzen entwickeln.

Es geht nicht darum, die ganze Energie darauf zu verwenden, eine schwierige Beziehung gut zu machen. Sondern darum sie in eine akzeptable Form zu bringen. So entsteht Raum, die eigene Aufmerksamkeit auf das zu richten, was Energie gibt.

Beim JobCrafting hilft, die eigenen Veränderungen explizit zu machen. Andere wissen zu lassen, was sich verändert. Transparent sein. Viele dieser Dinge machen viele von uns bereits in ihrem Arbeitsalltag – mal bewusst, mal eher unbewusst. Bewusst diesen Raum zu öffnen, schafft mehr Möglichkeiten, als man vorher denken würde. Und dabei ist die Wer-Frage eine Frage, die man sich nicht oft stellt, die aber sehr hilfreich ist: Wen brauche ich? Wer ist wichtig für mich? Mit wem will ich zusammenarbeiten? Besonders, wenn man seinen eigenen Stärken und Talenten noch mehr entsprechen will, lohnt es sich, nach Menschen zu suchen, die dich ergänzen oder die dir helfen, deine Talente und Stärken wirksam einzusetzen.

Dieser Beitrag ist Teil 3 einer fünfteiligen Blogreihe, die von Frauke Peter und Mara Spruyt verfasst wurde. Diese ist auch auf  dem Kessels & Smit-Blog erschienen.

 

Frauke Schmid-Peter

Frauke Schmid-Peter, Organisationsberaterin und Coach, schreibt hier in unregelmäßigen Abständen darüber, welchen Blick man auf Arbeit auch einnehmen kann und wie man diese zum Positiven verändern kann.

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