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This article was written on 21 Mai 2013, and is filled under Young Professionals.

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Ein Traumauftrag

Vor einiger Zeit fragte mich jemand: „Frauke, wenn Du Dir einen Auftrag selbst entwerfen könntest, wie sähe der aus?“ Zu dem Zeitpunkt beschäftigte ich mich intensiv mit Traineeprogrammen deutscher Unternehmen. Meine spontane Antwort fiel so aus: Ich träume davon, dass ein Unternehmen mit der Frage kommt:

„Frau Peter, wir wollen die Art und Weise, wie wir mit unseren Neueinsteigern umgehen, sei es Trainees, sei es Berufsanfänger oder neu Dazukommende, diese Vorgehensweise wollen wir verändern. Irgendwie ist das nicht mehr stimmig, wie wir das machen, es passt eigentlich nicht zu dem, was wir von unseren Mitarbeitern wollen.

Wir wollen gerne aus all der Neugier, all dem Potenzial, das diese gut ausgewählten und qualifizierten Menschen mitbringen, schöpfen, um unser Unternehmen voranzubringen. Den unverstellten Blick nutzen. Außerdem wollen wir gleich vom ersten Tag an deutlich machen, dass wir engagierte Mitarbeiter wollen, die ihre eigenen Fragen stellen. Wer weiß, vielleicht stoßen wir so auf neue Erkenntnisse? Machen Sie doch mal einen Vorschlag zum Prozess! Wir haben die volle Unterstützung unserer Unternehmensführung.“

Wie ein Rahmen eines solchen „onboarding“ – also eines Programms für neue Mitarbeiter im Unternehmen – in meinem Kopf aussehen würde?

Keine Powerpoint-Vorträge und 5-days-to-get-to-know-us-and-our-business-Veranstaltungen. Keine Antworten, bevor Fragen gestellt werden. Keine vorgegebene Struktur von Seiten des Unternehmens. Sondern: Eine Gruppe von Menschen, die sich zusammensetzt und gemeinsam überlegt, was sie eigentlich über ihr neues Unternehmen herausfinden will. Die sich ihre eigenen Fragen überlegen. Die sich selber einen Prozess des Lernens entwerfen: Sich als Gruppe überlegen, wie sie in ihrem Lernen vorgehen wollen, welche Etappenziele sie sich vornehmen, in welcher Zeit sie welche Fragen bearbeiten wollen und welche Ergebnisse am Ende stehen. Eine kleine Zeitung? Ein interner oder externer Blog?  Eine Veranstaltung?

Und die dann losziehen und offene Türen vorfinden – vom Meister an der Werkbank bis hin zum Vorstand. Welche sich wiederum Zeit nehmen, die unverblendeten und sicherlich teilweise naiven Fragen der Neulinge zu beantworten. Die vermutlich bei einigen Punkten denken werden: Was für eine Frage! Und die vielleicht an manchen Stellen ins Nachdenken kämen, „Hm, gute Frage, warum machen wir das eigentlich so und nicht anders?“.

Menschen, die miteinander in den Dialog treten. Neueinsteiger, die Fragen stellen und gleichzeitig wertschätzen, was an Erfahrung bereits vorhanden ist. Die mit ihrem neuen Blick an das anknüpfen, was an erprobtem Wissen im Unternehmen bereits vorhanden ist. Erfahrene Mitarbeiter, die sich auf die neuen Fragen einlassen. Und wo durch diese Interaktion etwas Neues entstehen kann.

Ich glaube daran, dass im unverstellten Blick viel Potenzial liegt. Und klingt „Wir sind neugierig, was Dich interessiert“ nicht wesentlich attraktiver als „Du musst bei uns erst einmal sehr viel lernen, bevor Du richtig mitspielen kannst“?

 

 

Frauke Schmid-Peter

Frauke Schmid-Peter, Organisationsberaterin und Coach, schreibt hier in unregelmäßigen Abständen darüber, welchen Blick man auf Arbeit auch einnehmen kann und wie man diese zum Positiven verändern kann.

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